Bauwahn

Uns geht es um die Verhinderung einer weiteren Entfremdung der Bewohner von ihrem Stadtbezirk Treptow-Köpenick (TK).

Wir sind gegen den neoliberalen Stadtumbau, der verschleiert durch den Begriff „wachsende Stadt“ im Ergebnis eine Be- und Verdrängung der ansässigen Bevölkerung zur Folge hat. Kurz gesagt, wir sind gegen die weitere Gentrifizierung unseres Bezirkes.

Unser Ziel ist die Verhinderung der weiteren Versiegelung und Zersiedelung der Stadtlandschaft. Wohnfolgeeinrichtungen in Wohngroßsiedlungen (z.B. Flächen des ruhenden Verkehrs, Grünflächen) sind keine Baureserveflächen und sollten erhalten bleiben, da sie geplante Elemente der Infrastruktur in diesen und letztendlich Bestandteil des Lebens vor Ort sind.

Wir fordern deshalb ein Gesamtkonzept zur Entwicklung TK unter Beachtung des Bevölkerungswachstums mit den Entwicklungsmöglichkeiten und Grenzen der Infrastruktur in den verschiedenen Ortsteilen als Grundlage weiteren Bauens im Bezirk. Der Flächennutzungsplan (FNP) und daraus abgeleitet die Bereichsentwicklungspläne (BEP) müssen in TK zukünftig Grundlage jedes weiteren Bauens sein. Diese Planungen fußen auf gewonnenen statistischen Daten und den daraus abgeleiteten Tendenzen.

Dazu sollten sich die verantwortlichen Politiker und Beamten von jeglichem Wunschdenken, z.B. die Selbstreduktion des motorisierten Individualverkehrs (MIV) ohne flankierende Maßnahmen, verabschieden.

Die Stadtentwicklung kann nicht nur aus baufachlicher Sicht durch das BA und die Investoren bewertet werden. Es ist notwendig, auf breiter Basis mit verschiedensten Wissenschaften, wie z.B. Stadtökologen und -soziologen, die Entwicklung der Stadt zu planen.

Die Stadt und ihre vorhandene Bebauung sollten als Kulturgut aufgehoben werden und ein pfleglicher Umgang damit sollte selbstverständlich sein. Das gilt auch für die Pflege und Erhaltung unserer gewachsenen Wohngroßsiedlungen als kulturelles Erbe der DDR-Moderne. Eine aktive Stadtbildpflege sollte auch bei Neubau bzw. Rekonstruktion, Modernisierung von Bestandsbauten Grundanliegen planerischen und baulichen Handelns sein. Dazu sollten bestehende Standards durchgesetzt und durch notwendige neue ergänzt werden. Hier muss die BVV mit entsprechenden Beschlüssen aktiv werden.

Die Schaffung einer Stadt der kurzen Wege zur Verhinderung von Verkehren sollte ein Grundanliegen der Stadtentwicklung sein.

Die Infrastruktur sollte der Gewährleistung der öffentlichen Daseinsvorsorge, zur sozialen Teilhabe aller und der Möglichkeit der Nutzung privater Dienstleistungen in Abstimmung mit Bevölkerungsumfang unter Kostenbeteiligung privater Investoren ausgebaut werden.

Das bedeutet für uns

  • die Schaffung und Bereitstellung ausreichender kindgerechter Kita- und Schulbauten;
  • eine ausreichende konzentrierte fachmedizinische Versorgung für alle in Wohnungsnähe;
  • eine angemessene Entwicklung des ÖPNV, nur so kann der MIV zurückgedrängt werden;
  • Schaffung von neuen Arbeitsplätzen in Wohnnähe;
  • den Schutz, die Erhaltung bzw. Wiederherstellung und Pflege wohnungsnahen Grüns/siedlungsnahen Waldes als Basis der Naherholung
  • die Bereitstellung eines ausreichenden Angebots an Treff-/ Austauschmöglichkeiten für alle Generationen für den sozialen Kontakt der Anwohner;
  • die Beachtung des Umweltschutzes, dem Schutz der Allgemeingüter wie Grundwasser und Grünflächen ist ein höherer Stellenwert einzuräumen;
  • Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit der Bürger und die konsequente Umsetzung der Stadtordnung sollten flankierend erfolgen.

Ziel muss die Wiederherstellung der Urbanität des Bezirkes und die Erhöhung von Ordnung und Sauberkeit der Stadt sein.

Wir fordern sozial verträgliche Mieten durch Beschränkung der Mietenhöhe beim Neubau. Insgesamt die massive Begrenzung des privaten Baues von Eigentumswohnungen und Wohnungen im hochpreisigen Mietsegment im Bezirk. Nur durch einen kommunalen Wohnungsbau kann die notwendige Menge an Wohnungen mit angemessenem Wohnraum und sozial verträglichen Mieten, gerade für die von der Gentrifizierung betroffenen Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen, geschaffen werden. Mit dem vorhandenen Bestand an Wohnungen muss effektiver umgegangen werden. So sollten älteren Bürgern bei Bedarf kleinere Wohnungen zu gleichen Konditionen wie in ihrer alten Wohnung und in der Nähe der alten Wohnung angeboten werden. So könnten jungen Familien die freiwerdenden Mehrraumwohnungen zur Verfügung gestellt werden.

20.07.2021